Almurlaub in Kärnten – Wansing-Alm

Vor einigen Wochen habe ich hier ja einen Bericht zu meinem Urlaub auf der Wansing-Alm versprochen. Und hier ist er nun.

Die erste Woche im Juli 2012 soll mein diesjähriger Almurlaub werden und so bin ich unterwegs nach Kärnten. Gebucht habe ich die Peitlerhütte auf der Wansing-Alm, die von der Familie Meißnitzer samt ihren fünf Kindern den ganzen Sommer über bewirtschaftet wird.

Vom Tal aus gelangt man in gut 15 Minuten mit dem Auto auf die Alm im Wolfsbachtal. Die unbefestigte Straße ist – außer für Sportwagen – gut befahrbar und oben erwartet mich herrlichstes Sommerwetter mit angenehmen 22 Grad. Und das auf 1700 Metern Seehöhe.

Walli und Hans Meißnitzer, die ich bei einem Wochenendaufenthalt im Herbst 2011 bereits kennenlernen durfte, vermieten neben einer Ferienwohnung in der Wansing-Hütte auch die kleine Peitlerhütte, die mein Urlaubszuhause für diese Woche sein soll.

Peitlerhütte, Wansingalm Kärnten - Foto: Thomas Reicher

Das schöne Wetter ausnutzend sind Walli und Hans gerade bei der Heuarbeit. Doch ich treffe eine der Töchter, die mir sagt, dass ich die Hütte ruhig beziehen kann. Das mache ich auch und verstaue meine Siebensachen.

Die Hütte mit ihren drei Schlafzimmern sowie Stube, Küche und Bad ist bestens ausgestattet. Die Kücheneinrichtung ist komplett und der Holzofen wird mir im Laufe der Woche noch gute Dienste leisten. Bei wechselhaftem Wetter kann es auch Anfang Juli abends noch empfindlich kühl werden auf der Alm.

Peitlerhütte, gemütliche Küche auf der Alm - Foto: Thomas Reicher

Der Bach vor der Hütte mit dessen Hilfe auch der Strom für die Alm erzeugt wird, rauscht ganz ordentlich, doch daran gewöhnt man sich schnell.

Ich mache mich auf die Suche nach meinen Vermietern, die bei der Heuarbeit fleißig die Rechen schwingen und werde herzlich im tiefsten Kärntnerisch begrüßt. Den Nachmittag über streife ich ein wenig mit dem Fotoapparat durch die Gegend und lasse die Ruhe auf der Alm auf mich wirken.

Natürlich lasse ich es mir auch bei diesem Urlaub nicht nehmen, im Stall mitzuhelfen. Um 17 Uhr werden die Kühe, die alleine den Weg von der Weide zur Hütte gefunden haben, auf ihre Plätze sortiert. Dabei geht es immer ein wenig hektisch zu.

Kühe anhängen im Almstall auf der Wansingalm - Foto: Thomas Reicher

Als schließlich alle da sind wo sie sein sollen werden die Melkzeuge angehängt. Und da fällt es einer der Kühe ein, dass sie ausgerechnet jetzt ihr bereits erwartetes Kälbchen bekommen möchte. Aber die Geburt verläuft glatt und problemlos und die Melkarbeit geht bald wieder weiter.

Stallarbeit hat für mich ja immer etwas entspannendes und hier, in diesem niedrigen Almstall, wo es keinen modernen Melkstand gibt, kann man sich trotz Melkmaschine gut in frühere Zeiten zurückversetzen.

Kühe melken auf der Alm - Foto: Thomas Reicher

Nach dem Melken decke ich mich bei den Meißnitzers mit selbst produzierten Köstlichkeiten ein. Speck, frisches Bauernbrot, Käse, Almbutter und natürlich die frische Almmilch gibt es zur Jause, die ich im Sonnenschein vor „meiner“ Hütte einnehme.

Danach fühle ich mich kräftig genug, um mit den Meißnitzers noch die Jungtiere auf eine höher gelegene Alm zu treiben. Es ist anstrengend und spannend und ich beschließe für mich, dass ich in Zukunft unbedingt mehr für meine Kondition tun muss. Und der Ausblick, der sich von der Hochweide aus über das Wolfsbachtal bietet, ist einfach sensationell.

Wansingalm von oben - Foto: Thomas Reicher

Kein Wunder, dass ich nach so viel ungewohnter Aktivität wie ein Stein schlafe bis um fünf Uhr der Wecker für den nächsten Stallgang klingelt.

Das ist zwar früher als ich von meinen sonstigen Bauernhofurlauben gewohnt bin, aber schließlich muss Hans jeden Morgen den vollen Milchtank zur Milchsammelstelle ins Tal bringen. Die Kinder fahren auch mit, denn sie haben ja noch eine Woche Schule bevor die langersehnten Sommerferien beginnen.

Die einzigen Fixpunkte, die ich in den nächsten Tagen habe, ist die Stallarbeit morgens und abends. Sonst lasse ich mich treiben und mache was mir Spaß macht. Fotografieren, lesen, in der Sonne faulenzen und ab und zu  eine kleine Wanderung. Dabei treffe ich kaum Menschen, dafür aber zahlreiche Almtiere, wie Kühe, Kälber, Ziegen und Schafe.

Endlich bekomme ich auch ein paar Murmeltiere zu Gesicht, deren Pfiffe ich anfangs nicht richtig zuordnen konnte.

Murmeltiere auf der Alm - Foto: Thomas Reicher

Ich merke wie ich innerlich ruhiger und gelassener werde und dass es auch ein Leben ohne Internet und Handy geben kann. Obwohl ich es vor meinem Almurlaub nicht für möglich gehalten habe, zieht es mich kein einziges Mal hinunter ins Tal.

Viel zu schnell vergeht die Woche und die Alm zeigt sich an meinem Abreisetag noch einmal bei strahlendem Sommerwetter. Etwas wehmütig verabschiede ich mich von meiner Gastgeberfamilie, die mir in den paar Tagen sehr ans Herz gewachsen ist.

Egal ob als Familie, Paar oder Alleinreisender, die Wansing-Alm kann ich bedenkenlos weiterempfehlen. Wem die Einsamkeit doch zuviel ist, der ist in kürzester Zeit wieder im Tal und somit in der Zivilisation.

Thomas Reicher

Ich bin Thomas Reicher, begeisterter Almurlauber, Inhaber einer Werbeagentur in Kufstein, Internetportalbetreiber, Fotograf, Bauernhofblogger... Mehr über mich.

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